3 Schritte, um sich selbst und andere Frauen im Team zu stärken

Aktualisiert: 11. März 2021

Wie uns die Arbeit mit dem eigenen atem, den eigenen Ressourcen und den eigenen Grenzen dabei helfen kann

Als Gastbeitrag erschienen auf fairlinked.org am 8. März 2021

In meinem letzten Beitrag “Stärkung von weiblichen und diversen Teammitgliedern in Organisationen” hier auf dem Blog, habe ich vor allem darüber gesprochen, warum es so wichtig ist, Weiblichkeit und Diversität im Team zuzulassen. Vor allem dann, wenn man gemeinsam agiler, innovativer und transparenter werden möchte. Ich habe auch davon geschrieben, sich als Team von einschränkenden Gedanken mit alten Rollenbildern und Denkmustern zu lösen, aber auch wie schwer dieser Weg sein kann. Denn auch wenn diese interne Transparenz hergestellt wurde und das Team in einer agilen Weise und auf Augenhöhe miteinander kommuniziert, kann es doch sein, dass sich gerade “Frau” nicht immer traut, das zu sagen, was sie wirklich denkt.

Die Frage, die sich hier also folglich für mich stellt, ist: Wie bauen wir hier Vertrauen auf, Sorgen ab und stärken die Ressourcen eines jeden Teammitglieds nachhaltig, um sich ganz und gar entfalten zu können?

Dieser Beitrag geht also nicht um das große Ganze, sondern um bewusste Bereiche, in denen wir uns selbst als Frau und unsere weiblichen Teammitglieder stärken können. Achtsamkeit, Resilienz und der eigene Selbstwert Ich werde über Achtsamkeit, Resilienz und den eigenen Selbstwert schreiben. Jedes dieser Worte haben wir schon zu Genüge gehört. Sie wurden in den letzten Jahren zu Modewörtern sogenannten “Buzz-Words”, die wir ständig lesen und wahrnehmen, aber nicht wirklich durchdringen. Was bedeutet es wirklich, “achtsam” mit sich im Team umzugehen und welche Rolle spielen hierbei die eigenen Grenzen? Warum benötigt jedes Teammitglied für sich einen positiven Selbstwert, damit wir gemeinsam erfolgreich arbeiten können? Wie werden wir gemeinsam “resilienter” gegen äußere Einflüsse und Veränderungen?

Die große Frage ist also, wie wir für uns und unsere Teammitglieder ein starkes Fundament und Bewusstsein für unsere eigenen Fähigkeiten schaffen. Und dabei selbst ein stützender Brückenpfeiler des Teams zu werden und auch anderen einen starken Halt bieten zu können?

Ich habe hierfür den einzelnen Worten erlernbare und erfahrbare Methoden und Übungen zugesprochen. Die erleichtern, den Begriff als solchen einfacher zu verstehen, daran zu arbeiten und darin eine Routine zu entwickeln, die es zulässt, diese in unseren (Organisations-)Alltag zu integrieren.

  1. Achtsamkeit durch einen erfahrbaren Atem (nach Ilse Middendorf)

  2. Resilienz durch Grenzen setzen (nach George Kohlrieser)

  3. Selbstwert durch die Stärkung der eigenen Ressourcen (nach Virginia Satir)


1. Mehr Achtsamkeit durch einen erfahrbaren Atem

“Es ist und bleibt ein Glück, vielleicht das höchste, frei atmen zu können.” (Theodor Fontane)




Am Anfang unseres Lebens haben wir geatmet. Ganz natürlich. Ganz frei. Ohne uns darüber Gedanken zu machen. Intuitiv, richtig und gesund. Und heute sind wir kurzatmig, uns stockt der Atem, wir halten den Atem an oder bekommen keine Luft mehr. Woher kommt das? Warum haben wir verlernt, uns mit unserem Körper durch unseren Atem zu verbinden? Denn wenn unser Atem tief in unseren Körper fließt und jede Zelle erfasst, spüren wir, dass wir ganz mit uns verbunden sind. Gerade in schwierigen und hektischen Situation in unserem Leben gibt uns das eine ungeheure Kraft und Energie.

Auch die Art und Weise wie wir unseren Atem mit Leben und Klang füllen, hat Auswirkungen auf uns und unser Gegenüber. Wie möchtest Du wirken? Wie möchtest Du klingen? Wie möchtest Du schwingen? Dabei geht es nicht darum, dass wir uns alle zu Opernsänger*innen ausbilden lassen müssen, sondern, dass wir lernen und wissen, wie wir zukünftig unseren Atem gesund und mit Ausdruck zum Klingen bringen können, um das zu erreichen, was zu uns passt. Um uns selbst so auszudrücken und unsere Standpunkte im Team zu vertreten, wie wir es wirklich meinen. Um gehört zu werden. Das betrifft nicht nur schüchterne Teammitglieder, die mit Lampenfieber zu kämpfen haben, sondern unsere Stimme spiegelt immer auch den momentanen Zustand unseres Selbst wieder.

Atem – Die Verbindung aus Körper, Geist und Seele

Eine großartige Frau und wirkliches Vorbild, die es verstanden hat, unseren Atmen nicht getrennt von unserem Innern, unserer Stimme und unserem Körper zu betrachten, war die Berliner Gymnastik- und Atemtherapeutin Prof. Ilse Middendorf (1910-2009). Sie entwickelte die “Erfahrbarer Atem”-Methode “zur Förderung der Körperwahrnehmung und der Selbstbewusstheit. Ziel der Methode ist es, durch bewusste Beobachtung des Atemvorgangs das eigene Potenzial zu erkennen und es weiter zu entwickeln” ( aus dem Buch Körperorientierte Ansätze für Musiker – Methoden zur Leistungs- und Gesundheitsförderung von Sabine Seidel). Und bei diesem “Potenzialgedanken” möchte ich ansetzen. Durch das Bewusstmachen des eigenen Atem können wir die inneren Stärken in unserem Körper mobilisieren und achtsamer mit uns sowie anderen Teammitgliedern umgehen lernen. Auch können wir uns als Team ein eigenes, tägliches oder vor wichtigen Projekten stehendes Ritual überlegen, dass uns gemeinsam die Energie des Atems fühlen lässt. Für Ilse Middendorf liegt die Kraft in der Wahrnehmung des automatischen und ungehinderten Fließen des Atems. Das heißt, dass wir wieder lernen müssen, unseren Atem nicht bewusst zu steuern und ihn “erfahrbar” spüren, dass er fließt sowie dass wir darauf vertrauen.

Übung 1: Setzt Euch auf die Kante eines Stuhles. Lasst die Hände locker auf die Oberschenkel sinken. Beginnt nun langsam durch die Nase einzuatmen. Öffnet den Mund einen Spalt breit und lasst Euren Atem ungehindert fließen. Das Tempo bestimmt Euer Körper. Vertraut darauf, dass alles seinen Gang geht und ihr nicht aktiv einschreiten müsst. Diese Übung kann man auch vor jedem Teammeeting als Ritual für zwei Minuten einführen, um im Raum anzukommen.

Wie der Atem von alleine fließen kann, erklärt Ilse Middendorf sehr gut auch in folgendem Video auf YouTube:


Was bedeutet das für mich als Frau? Je stärker ich durch meinen Atem mit meinem Körper verankert bin und eine Verbindung zwischen meinem Geist, meiner Seele und meinem Körper spüre, desto selbstsicherer kann ich im eigenen Team auftreten und für meine Positionen einstehen.


2. Mehr Resilienz durch Grenzen setzen